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Edith, ich höre dich immer nur meckern!

In unserem Coffee Shop organisierten mein Mann und ich jedes Jahr einen schönen Tag für alle 25 Teammitglieder. Mit einer externen Trainerin und das komplette Team redeten wir über die Performance im vergangenen Jahr und legten die Marschroute für das kommende Jahr fest. Wir starteten mit einer sogenannten "Kotz-Runde" - jeder durfte sagen, was nicht gefällt.

 

Eine Mitarbeiterin sammelte all ihren Mut und sagte:

 

"Edith, ich höre dich immer nur meckern!"

 

Bääääähm! Das war ein Schlag ins Gesicht. Denn glaube mir: so wollte ich nicht sein. Ich bildete mir eigentlich ein, dass ich eine gute und verständnisvolle Chefin bin, die eigentlich so gut wie immer gut drauf ist. Und jetzt das.

 

Das Fremdbild wich scheinbar sehr von meinem Selbstbild ab. Ich fühlte mich schrecklich. Trotzdem, ich dankte der Mitarbeiterin für ihr Feedback und erkannte ihren Mut an.

 

Wir erlebten trotz diesem Einstieg einen sehr inspirativen Tag.

Und ich knabberte noch einige Tage an das Feedback...

Ich will nicht mehr meckern!

Das gute an so ein Feedback ist, das man immer wählen kann: Du kannst es annehmen und daran arbeiten oder in die Tonne treten. Denn niemand muss so sein wie andere wollen.

 

Ich beschloss, es anzunehmen und daran zu arbeiten:

 

Ich will nicht mehr meckern!

 

Das war die erste Entscheidung.

Und die zweite war:

 

Ich werde jeden Mitarbeiter mindestens ein Mal pro Tag loben.

 

Scheinbar einfach, aber keineswegs leicht.

 

Und es gelang auch bestimmt nicht vom ersten Tag an. Aber Tag für Tag gelang es mir besser, mir die Zunge abzubeißen wenn wieder etwas war, was mir nicht gefiel: Aschenbecher voll, nicht gefegt, Spülbecken nicht entkalkt usw. Oft stellte ich fest, wie unwichtig all dieser Kleinkram eigentlich war, über den ich mich früher ärgerte. Ich musste anerkennen, dass mein Perfektionismus nur in meinem Kopf statt fand. Was ist schon perfekt? Und wem interessiert das?

 

OK, Herz-OPs vielleicht ausgenommen...

Wir machen viel mehr richtig als falsch

Jeden Mitarbeiter mindestens ein Mal pro Tag zu loben ist eigentlich ganz einfach. Denn jeder von uns macht jeden Tag viel mehr richtig als falsch.

 

Aber wir wachsen auf in einer Gesellschaft, wo mehr auf die Fehler geschaut wird. Bei ganz kleinen Kindern gelingt es uns noch ganz gut, regelmäßig zu loben. Aber schon in der Schule geht es los: Beim Aufsatz schreibt ein Kind 100 Wörter, 99 sind richtig, und über den einen Fehler wird geredet: Du musst besser aufpassen! Natürlich gibt es Punktabzug. 

 

Wir hören alle ca. 22 negative Suggestionen täglich: Du bist zu jung, zu alt, zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, zu dumm, zu langsam, zu schnell, zu arm, zu was-weiß-ich. Du machst dies und jenes falsch. Bis Du dich schließlich falsch fühlst. Hinzu kommen viele schlechte Nachrichten, die wir in der Zeitung, im Internet, im TV erfahren. So lenken wir alle gemeinsam den Fokus auf das Negative - und meckern.

 

Wieviel positive Suggestionen bekommst Du am Tag? Bestimmt keine 22!

 

Trotzdem: wir machen viel mehr richtig als falsch!

Es ist eigentlich ganz einfach den Fokus auf das Positive zu lenken. Es ist wie ein Muskel den man trainiert.

Man muss es nur machen!

Fortschritt ist der Brennstoff für die Motivation

"Nicht gemeckert ist gelobt genug" kannst Du knicken. Dieser Glaubenssatz funktioniert nicht (mehr).

 

Um unsere Teammitglieder bei der Stange zu halten, müssen wir aufhören zu meckern und ganz aktiv wertschätzen. Das ist sogar noch ein bisschen mehr als loben. 

 

In meiner Coaching-Ausbildung lernten wir als allererstes das Coaching-Tool "Wertschätzung".

 

Die Definition:

ein besonders positives Feedback, was Freude beim Coachee auslöst.

 

Ist die Wertschätzung konkret, individuell und emotional wirst Du belohnt mit einem strahlenden Gesicht deines Gegenübers. 

 

Und dieses Tool Wertschätzung half mir sehr dabei, meine Teammitglieder mindestens ein Mal pro Tag zu loben - vielmehr: zu wertschätzen.

 

Am besten trainiert man das Tool Wertschätzung als Ritual, z. B. ein paar Minuten vor oder nach der Schicht oder einem Meeting. Es geht so:

  • Alle stellen sich im Kreis auf (geht auch nur zu dritt)
  • Eine/r fängt an mit einer Wertschätzung für sich selbst
  • Alle klatschen, auch derjenige selbst (!)
  • Dann schätzt derjenige jemand anderes im Kreis wert
  • Alle klatschen wieder, auch derjenige der wertgeschätzt wurde
  • usw. bis alle dran waren.

Die Formulierung lautet: "ich erkenne mich / dich dafür an..."

Was folgt muss konkret, individuell und emotional sein, z. B: "... dass Du mir heute morgen die Tür aufgehalten hast"

Das ist konkreter als: "ich erkenne dich dafür an, dass Du immer so nett bist".

 

Am Anfang fällt es wahrscheinlich besonders schwer, sich selbst zu wertschätzen, denn das sind wir überhaupt nicht gewohnt. Auch der Glaubenssatz "Eigenlob stinkt" kannst Du knicken. Der steht uns nur im Weg. Wir sind viel toller als wir glauben ;-). Es helfen Fragen wie: "Worauf bist Du besonders stolz?" oder "Was ist dir heute / gestern / letzte Woche gut gelungen?" Übung macht den Meister!

 

Das Klatschen gehört unbedingt dazu! Es hebt die Stimmung im ganzen Raum und in uns.

 

Übrigens: dieses Ritual kann man auch wunderbar im Privatleben anwenden, zum Beispiel morgens mit der ganzen Familie vor oder nach dem Frühstück.

Folgenschwer aber nicht fehlerfrei

Als ich es für eine Weile geschafft hatte, die Teammitglieder mindestens ein Mal pro Tag zu loben passierte Folgendes:

  • Die Teammitglieder freuten sich
  • und waren motivierter.
  • Sie gingen wertschätzender miteinander 
  • und mit den Gästen um.
  • Unsere Beziehungen wurden intensiver und liebevoller
  • und ich war glücklicher.
  • Wir fokussierten immer mehr das Positive. Die Welt ist voll davon!

Kurzum: die Grundstimmung in unserem Team wurde immer besser. Und damit machten wir alle die Welt ein bisschen besser. 

 

Dennoch, auch wenn wir das Positive im Leben fokussieren, heißt das noch lange nicht, dass keine Fehler mehr passieren. Darüber die wir reden müssen, ganz klar!

 

Sukzessive entwickelten wir eine Fehlerkultur. Die Fragen:

  • "Was sind überhaupt Fehler?" zwang uns dazu klarer und strukturierter zu werden und
  • "Wie gehen wir in Zukunft mit Fehlern um?" bot uns ein großes Lernpotential.

Fehler oder Misserfolge kann man feiern. Alles eine Frage der Perspektive... 

Ein Service-Feuerwerk zünden

"Wertschätzung" und "Misserfolge feiern" sind 2 von 10 Führungstools, die ein Service-Feuerwerk im Team zünden. 

 

Interessant? Dann ist der Workshop "Ein Service-Feuerwerk zünden" vielleicht etwas für dich. 

 

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