Wie wird ein Unternehmen zum Traumarbeitgeber

Das ist die Überschrift der Blogparade von Gaby Feile der Kommboutique. Sie fantasiert: "Du bekommst einen Anruf": 

 

„Wir sind ein sehr erfolgreiches Hotel – wenn man die Zahlen zu Grunde legt. Jetzt wollen wir ein außerordentlich guter Arbeitgeber werden. Und dafür brauchen wir dich!“

 

Wow, für einen Moment bin ich sprachlos. Was für ein Traumauftrag.

Ich überlege nicht lange und antworte: „Ich bin dabei!“.

Wie wird ein Unternehmen zum Traumarbeitgeber?

Die Unternehmerin legt für 4 Wochen eine Pause ein und übergibt mir für diesen Zeitraum die Führung ihres Unternehmens (4 Hotels, 400 Mitarbeiter) mit der Mission, einen Traumarbeitgeber daraus zu machen.

 

In vier Wochen können wir bestimmt einiges erreichen, um ein Traumarbeitgeber zu werden. Und danach? Schauen wir mal. Traumarbeitgeber werden ist das eine, Traumarbeitgeber sein ist das andere. 

Sie übergibt mir die betriebswirtschaftlichen Auswertungen der letzten Monate, eine Liste aller Mitarbeiter, die Veranstaltungskalender der 4 Hotels – und verschwindet.

 

Ich schaue mir die Hotels an und führe Gespräche mit den Hoteldirektoren. Das Unternehmen ist scheinbar gut organisiert und die Gäste sind zufrieden. Das belegen die Bewertungsportale. Mit einigen Mitarbeitern führe ich ein kurzes Gespräch und stelle fest: Hinter den Kulissen herrscht offensichtlich ein anderer Ton. Übliches Gemecker: zu wenig Leute, Überstunden, viel zu tun usw. .

Begeisterte Gäste setzen begeisterte Gastgeber voraus

Sofort ist der Geistesblitz wieder da, der in letzter Zeit immer wieder in meinem Kopf aufgepoppt ist: 

 

„Begeisterte Gäste setzen begeisterte Mitarbeiter voraus!“

 

Dieses Unternehmen läuft jetzt schon ziemlich gut. Ich stelle mir vor, was passieren würde, wenn die Mitarbeiter richtig begeistert sind. Ein Service-Paradies!

Begeisterte Gäste setzen begeisterte Mitarbeiter voraus

Wie der Job zum Abenteuer wird

Zurück im Büro. Irgendwo in einer Schublade finde ich eine verstaubte Seminarmappe: „Wie der Job zum Abenteuer wird“. Aha, das ist ja interessant. Ich entdecke ein paar handgeschriebene Notizen:

 

Unsere Werte:

  • Service
  • Teamwork
  • Wertschätzung
  • Unternehmerisch Denken
  • Selbstverantwortung

Ich blättere weiter.

 

Unsere Vision: ein Service-Paradies

Unsere Mission: Gäste glücklich machen

 

Oooh, mir wird ganz warm ums Herz, wie schön! Scheinbar ticken wir sehr ähnlich.

 

Ich rufe die Hoteldirektoren an, um herauszufinden, welche Werte im Unternehmen gelebt werden und welche Vision und Mission es gibt. Großes Staunen.

 

Ich war mir sicher, dass die Teilnahme an dem Seminar „Wie der Job zum Abenteuer wird“ sehr wertvoll war. Aber wie es so oft ist, kehrt man am nächsten Tag in den gewohnten Alltag zurück, die Seminarmappe landet in der Schublade und das war’s.

Wie der Job zum Abenteuer wird

Auf zum Service Paradies

Mit der Personalchefin und meinem Bauchgefühl wählen wir eine Handvoll Mitarbeiter aus, die nicht über Probleme diskutieren, sondern immer Lösungen parat haben – auch mal sehr unkonventionelle.

Wir laden sie zum ersten Workshop: „Auf zum Service-Paradies“ ein.

 

Die Mitarbeiter nutzen die Gelegenheit, aufzuzeigen, was sie gerne anders machen wollen. Wie ein Service-Paradies in ihren Augen aussieht. Dabei erfahre ich einiges über die Stimmung im Team. Wir brainstormen wild darüber, wie wir die Gäste UND die Mitarbeiter noch glücklicher machen können und finden viele Ideen.

 

Am Ende kreieren wir ein großes Plakat. Darauf steht:

 

Unser Hotel ist ein Service-Paradies für Gäste und Mitarbeiter.

Wir sind hier um Gäste glücklich zu machen.

 

Ich bekomme Gänsehaut.

Wir vereinbaren einen Termin für den zweiten Workshop in einem größeren Kreis. Die Teilnehmer vom ersten Workshop sind die Botschafter und jeder von ihnen lädt seine Kollegen ein, die sofort begeistert sind.

 

Auf der Tagesordnung stehen 2 Punkte:

1. Was ist uns wichtig – unsere Werte

2. Wie gehen wir miteinander um - Service-Kultur

 

Für diesen Workshop stellen wir gemeinsam die Spielregeln auf. Die Botschafter inszenieren eine Show, so dass richtig gute Stimmung entstehen kann.

Ich nehme mich zurück und frage: „Was braucht ihr für den Erfolg?“.

 

Es ist unglaublich wieviel Energie entsteht.

Fünfzig Mitarbeiter haben zugesagt, quer durch die Organisationsstruktur, ohne Rücksicht auf Titel und Position.

Werte müssen Verben sein*

Am großen Tag des zweiten Workshops sind die Auszubildenden für uns im Service: Sie haben die Räume gestellt, im Foyer die Stehtische wunderschön dekoriert und zwei Koch-Azubis haben ein tolles Fingerfood-Buffet kreiert. Ich führe als Moderatorin durch das Programm. Die Botschafter leiten die Workshops.

 

Am Ende des Tages haben wir viele Ideen, wie wir miteinander umgehen wollen und haben vor allem auch unsere Werte in Verben formuliert: 

  • Wir lieben Service

Wir sind hilfsbereit. Wir tun alles, damit es unseren Gästen und unseren Kollegen nach unserer Begegnung besser geht als vorher. Wir fragen: „Was brauchst Du?“. Das gilt extern und intern.

  • Wir machen Freude

Leichtigkeit entsteht durch Freude. Deshalb machen wir uns gegenseitig regelmäßig eine Freude. Wir starten und beenden jede Konversation mit einer Wertschätzung. Begegnen unseren Gästen und Kollegen anerkennend. Wir sind neugierig und interessiert und geben neutrales Feedback. Wir reden nicht über sondern mit Menschen. Wir machen Spaß, lachen, singen, tanzen und klatschen, besonders wenn es schwer wird.

  • Wir unternehmen

Wir sind erfolgreich, weil wir etwas unternehmen. Wir handeln, tun und sind aktiv. Alle unsere Aktivitäten haben den Zweck, unsere Gäste glücklich zu machen. Deshalb fragen wir uns vorher: „Was bringt diese Aktivität?“.

Wir feiern das Lob unserer Gäste und küren den Fehler des Monats.

 

Zur Weiterentwicklung nimmt jeder regelmäßig an Seminaren teil und teilt anschließend seine Erkenntnisse im Team.

  • Wir sind selbst verantwortlich

Jeder setzt seine Ziele selbst, fordert im Team ein, was er braucht, um sie zu erreichen und definiert die Konsequenzen. Jeder genießt das absolute Vertrauen aller Kollegen.

 

Teammeetings finden im Stehen statt und dauern maximal 1 Stunde. Es gibt kein Protokoll sondern eine To-Do-Liste.

  • Wir machen es anders

Wir müssen nichts machen, weil es schon immer so gemacht wurde. Wir stellen „normal“ in Frage und haben den Mut, außergewöhnlich zu sein.

 

Nach diesem zweiten Workshop gehen alle Teilnehmer glücklich nach Hause und kehren am nächsten Tag motiviert bis in den Haarspitzen zurück zur Arbeit. Es herrscht eine ganz andere Stimmung…

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Wir führen sofort das tägliche Power-Briefing ein. Jedes Team trifft sich 15 Minuten vor der Schicht. Neben den Highlights des Tages erzählt ein Teammitglied eine Geschichte, wie es ihm/ihr gelungen ist, einen der Werte umzusetzen. Abgeschlossen wird mit einer Anerkennungsrunde.

 

So trainieren wir die Werte und legen den Fokus auf positive Ereignisse.

 

Vier intensive Wochen liegen hinter uns. Wir haben ein Fundament gelegt.

Wir kreieren eine schöne Mappe mit der Vision, Mission und mit den Werten. Alle Mitarbeiter bekommen ein Exemplar und die Einladung zum dritten Workshop "Auf zum Service Paradies".

 

Heute kommt die Unternehmerin zurück. Schön, aber eigentlich auch schade.

Auf ihrem Schreibtisch steht einen Blumenstrauß und meine Karte: "Schön dass Sie wieder da sind!

Willkommen im Service Paradies.". Daneben die Mappe.

Als sie die Mappe liest, hat sie Tränen in den Augen.

 

Und das ist erst der Anfang…

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